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Corporate Citizenship
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Corporate Citizenship - Ein Leitfaden
für das soziale Engagement mittelständischer Unternehmen
, hrsg. von "Unternehmen: Partner der Jugend" hier bestellen


André Habisch: Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland, hrsg. vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., Berlin/Heidelberg 2003.


 Bericht der Enquetekommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements", Deutscher Bundestag, 14. Legislaturperiode

Links

Nachfolgend eine kleine Link-Auswahl von Initiativen und Organisationen, bei denen der Corporate-Citizenship-Gedanke besonders im Vordergrund steht.

Bundesinitiative "Unternehmen: Partner der Jugend" (UPJ) mit dem Netzwerk "Unternehmen: Aktiv im Gemeinwesen"
http://www.upj.de/

Aktive Bürgerschaft - die Corporate-Citizenship-Initiative des genossenschaftlichen FinanzVerbundes
http://www.aktive-buergerschaft.de/

Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
http://www.b-b-e.de/

Business in the Community - Netzwerk von rund 700 führenden britischen Unternehmen
http://www.bitc.org.uk/

Center for Corporate Citizenship - interdisziplinäres Zentrum zur Erforschung und strategischen Gestaltung des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen
http://www.corporatecitizen.de/

Copenhagen Centre
http://www.copenhagencentre.org/

EABIS - European Academy of Business in Society
http://www.eabis.org/

Initiative "Freiheit und Verantwortung" der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft
http://www.freiheit-und-verantwortung.de/

startsocial e. V. - bundesweiter Wettbewerb für soziale Ideen und Projekte
http://www.startsocial.de/

"Corporate Citizenship" ist ein wichtiger Teilbereich - man könnte sagen die lokale Ausprägung - von CSR. Das Motto: als Teil der unternehmerischen Wettbewerbsstrategie Eigennutz und Gemeinsinn verbinden. Die Prägung des aus dem angelsächsischen Raum stammenden Konzeptes "Corporate Citizenship", des "unternehmerischen Bürgerengagements" für das Gemeinwesen, bringt zum Ausdruck, dass heute den Investitionen von Unternehmen in ihr lokales und regionales Umfeld eine neue Bedeutung zugesprochen wird. Unternehmen werden als strategische Partner verstanden.

Mit ihren Standorten sind Unternehmen ein Teil der Gesellschaft. Für ihre Wertschöpfung sind sie auf eine intakte Umgebung angewiesen - auf funktionsfähige Infrastruktur und Institutionen, auf ein gutes Bildungssystem, auf ein "öffentliches" Leben, das für die Mitarbeiter attraktiv ist, und vieles mehr. Nicht nur aus Verantwortung für die Gesellschaft, sondern auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse heraus engagieren sich Unternehmen, große oder kleine und jedes auf seine Weise, daher seit jeher auf den verschiedensten gesellschaftlichen Feldern, z. B.:
- für Bildung und kulturelle Zwecke
- in der Kinder- und Jugendarbeit
- für soziale Projekte
- für die Verbesserung der Gesundheit
- in der Entwicklungszusammenarbeit etc.

Der Einsatz geht über finanzielle Unterstützung weit hinaus: Unternehmen stellen auch ihre Erfahrung, ihr Know-how, ihre Infrastruktur und andere Ressourcen zur Verfügung.

Der Begriff Corporate Citizenship ist nicht immer klar vom Begriff CSR getrennt und auch sonst in seiner Verwendung durchaus unscharf: Einige sind großzügiger darin, Aktivitäten als Corporate Citizenship zu bezeichnen, andere legen strengere Kriterien an. Für Unternehmen ist es wichtig, in ihrem Tun und ihrer Kommunikation glaubwürdig zu sein, weil sie sonst schnell mit dem Vorwurf konfrontiert werden, Corporate Citizenship sei ein reines PR-Instrument. Im engeren und wohl besten Sinne meint das Konzept eine eng mit dem Kerngeschäft und den Unternehmenszielen verknüpfte Strategie für alle Aktivitäten eines Unternehmens im Gemeinwesen, die zu neuen ? möglichst auf Langfristigkeit ausgelegten ? Beziehungsgeflechten mit Partnern führen. Dies setzt voraus, dass ein Unternehmen seine individuellen Ziele und Bedürfnisse definiert, die Bedürfnisse des jeweiligen Gemeinwesens versteht und dann seine Aktivitäten darauf zuschneidet.

Corporate Citizenship geht folglich über ein punktuelles Engagement, das einen karitativen und philanthropischen Charakter hat, weit hinaus. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass Unternehmen ihre Ressourcen effizient einsetzen und nach dauerhaften "Win-Win-Situationen" suchen müssen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Ertragsorientierung. Philanthropische Unterstützung sozialer Projekte mag als Zeichen von Solidarität lobenswert sein, ist aber nicht die optimale Art, um langfristige Synergieeffekte zu bewirken.

Was muss der Staat leisten, und wofür sind die Bürger und die Privatwirtschaft verantwortlich? Die Grenzlinie zwischen staatlicher Daseinsvorsorge und dem, was Bürger und Wirtschaft selbst an Leistung erbringen, verläuft in jedem Land der Welt anders und durchläuft einen ständigen Wandel. Wirtschaftliche, historische, kulturelle und politische Faktoren beeinflussen, wie das Verhältnis der Akteure zueinander bestimmt wird. So unterliegt Corporate Citizenship z. B. in den USA oder Großbritannien mit ihrem Staatsverständnis anderen Bedingungen als in Kontinentaleuropa oder Deutschland.

Dass das Konzept seine Wurzeln im angelsächsischen Sprachraum hat und dorther seine Dynamik bezieht, heißt keineswegs, dass deutsche Unternehmen weniger aktiv sind. Ein Blick in die Praxis und die Erfahrung aus den Diskussionen der letzten Jahre zeigen vielmehr: Die Begriffsklaviatur mag noch fremd sein - die Sache selbst ist es nicht. Die zahlreichen Aktivitäten deutscher Unternehmen, gerade auch im Mittelstand, werden in vielen Fällen einfach nicht so kommuniziert, wie es beispielsweise in Großbritannien der Fall ist. Und: Das deutsche System der "Sozialen Marktwirtschaft" ist ja nicht nur dadurch bestimmt, dass der Staat sehr viel Vorsorge für seine Bürger übernimmt - es umfasst auch, dass Unternehmen institutionell stark in die Beförderung gesamtgesellschaftlicher Ziele eingebunden sind (z. B. im dualen Ausbildungssystem, durch die Verbands- und Gremienlandschaft etc.).

Dennoch: Weil sich gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen verändern, rückt seit den 1990er-Jahren in Deutschland der Beitrag von Unternehmen für die Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben neu in den Fokus.

  • Durch die Krise der öffentlichen Haushalte kann sich der Deutschland als traditionell engmaschiger Sozialstaat finanziell nicht mehr in dem Maße engagieren wie bislang. Mehr Eigeninitiative als Ergänzung zu den Leistungen des Staates ist gefragt. Dadurch wird indes auch die wichtige Frage neu aufgeworfen, wer wofür zuständig ist und welche Lasten zu tragen hat. Corporate Citizenship darf nicht zum Lückenbüßer werden, vielmehr kann es die ordnungspolitische Funktion des Staates sinnvoll ergänzen.
  • Der Strukturwandel der Globalisierung bringt es mit sich, dass herkömmliche Mittel der Problemlösung (z. B. politische Regulierung) und die klassische Aufgabenverteilung Staat - Wirtschaft - Bürger mehr als zuvor an ihre Grenzen kommen. Kooperationsmodelle und Allianzen, in denen Politik, Wirtschaft und Bürger in gemeinsamer Anstrengung und zu gegenseitigem Nutzen (Win-win-Effekte) konkrete Probleme lösen, werden immer wichtiger. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen wirkt beziehungsstiftend.
  • In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern könnten global engagierte Unternehmen gar nicht tätig sein, wenn sie nicht mit Geld, Ressourcen und Kompetenzen in die strukturelle Entwicklung des direkten Umfeldes und damit notwendige Standortfaktoren investierten.

In ihrem Engagement können Unternehmen eine ganze Reihe an Instrumenten nutzen, unter anderem

  • Spenden ("Corporate Giving") und Sponsoring;
  • zweck-gebundenes Marketing (cause-related marketing) - die Unternehmen werben damit, dass der Kunde durch Kauf eines bestimmten Produktes ein soziales Projekt finanziell unterstütz;
  • Engagement in Stiftungen;
  • gemeinnütziges, ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter ("Corporate Volunteering"), die dazu vom Unternehmen ermutigt und von ihrer Arbeit freigestellt werden;
  • gemeinsame Projekte mit gemeinnützigen, sozialen Einrichtungen, im Bildungs-, Kultur- und Sportbereichbereich etc.;
  • das so genannte Social Commissioning, also die Auftragsvergabe an soziale Organisationen.

Überall auf der Welt bilden sich viele Arten von Netzwerken, Mittlereinrichtungen und Agenturen, deren Sinn, bzw. auch Geschäftsidee, es ist, Corporate Citizenship als Strategie zu befördern. Sie beraten Unternehmen und die Partner im Gemeinwesen, sorgen für den Austausch von Good Practice, entwickeln Projektideen, treiben die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema voran. In den USA sind lokale "Care-Organisationen" fest etabliert. In Deutschland bemüht sich z. B. die Bundesinitiative "Unternehmen: Partner der Jugend" (UPJ) - ein Kooperationspartner von econsense - insbesondere darum, das systematische bürgerschaftliche Engagement in kleinen und mittleren Unternehmen voranzubringen.